DIE GRÜNEN IN SINZHEIM

 

 

Ein parteiloser Kandidat wird Bürgermeister -

ein Gewinn für die Demokratie!

 

Jetzt bieten sich die wohlfeilen Vergleiche mit Obama an. Erik Ernst - der Obama von Sinzheim. Allerdings ist Ernst in keiner Beziehung schwarz. Und er gebietet nicht über Atomwaffen. Scherz beiseite. Tatsache ist, dass ein wirklicher Wechsel statt gefunden hat. Ob man gleich von Seilschaften sprechen muß, wie es die Kommentatorin im Badischen Tagblatt meint, die jetzt durchschnitten werden, sei mal dahin gestellt. An Noch-Bürgermeister Metzner kann man viel kritisieren, aber er hat solide gearbeitet. Und er war ein Bürgermeister, mit dem man reden konnte.

Jedenfalls ist Ernst in keiner Partei und niemanden verpflichtet, außer den Bürgern, die ihn gewählt haben. Das ist schwierig, weil er sich im Gemeinderat seine Mehrheiten suchen muß und erst mal keine Partei hinter sich hat. Das ist aber auch eine Chance, und insofern hat das BT recht, weil die alten Muster nicht mehr gelten. Metzner - CDU, Gemeinderatsmehrheit - CDU, - das war eine Achse, die die Entwicklung Sinzheims im Guten wie im Schlechten bestimmt hat. Das ist definitiv vorbei!

Wenn die CDU wieder die absolute Mehrheit bei den Gemeinderatswahlen am 7. Juni erringen sollte, wird es schwierig für Ernst. Er muß sich natürlich arrangieren. Und sein Programm, das er in seinen Flyer verteilt hat, deckt sich eher mit den Grünen als mit der CDU.

Vielleicht geschieht aber auch eine zweite Überraschung und die CDU erhält nicht mehr die absolute Mehrheit. In Sitzen, wohlgemerkt. Denn in Prozenten hat sie schon bei den letzen Wahlen 2004 nur noch 48,9% erreicht. Das hat aber trotzdem für 14 von 27 Sitzen, also die absolute Mehrheit gereicht.

Wenn also die CDU die absolute Mehrheit verliert, dann gibt es wechselnde Mehrheiten. Das wird spannend!

Ernst hat fast zwei Drittel der Wähler gewonnen, das ist seine Basis. Wenn er klug ist, baut er auf Bürgerversammlungen, wo er wichtige Entscheidungen beraten läßt. Welche Partei kann es sich leisten, an solchen Bürgerversammlungen vorbei abzustimmen? Natürlich hat der Gemeinderat das letzte Wort. Aber eben nicht das einzige, wie es im Moment der Fall ist. Die Bürger könnten sich direkter und öfter einmischen. Und das tut der Demokratie, der Beteiligung der Bürger an den öffentlichen Angelegenheiten, nur gut.

 

Merkwürdig nur, dass die CDU keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat. Denn auch Beck wäre ja nicht unbedingt ihr Mann gewesen. Oder haben sie darauf spekuliert?

 

12.5.2009




  

  

Mit 63,7% hat Erik Ernst die Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Sinzheim vor seinem Konkurrenten Uwe Beck, der 35,7% erhielt, gewonnen.

 

Das Ergebnis ist unerwartet deutlich. Die Gründe sind wahrscheinlich, dass Beck zu sehr auf "weiter wie bisher" setzte, und eine Spur zu glatt und selbstsicher war. Er war eher der Kandidat der Verwaltung und der CDU, wo er sich sicher geräuschlos eingefügt hätte. Ernst wirkte zwar manchmal etwas unbeholfen und linkisch, aber nicht so sehr, dass er unprofessionell wirkte. Man hatte immer den Eindruck, dass er noch lernen wird und vor allem, dass er wirklich unabhängig ist. Sozusagen formbar für die Sinzheimer und nicht für eine Partei. Das brachte er glaubwürdig rüber.

 

 

Dazu kam die ideale Konstellation, dass er a) drei schulpflichte Kinder hat und b) eine Frau, die in der Altenpflege tätig ist. Damit hat er die beiden Hauptgruppen der Sinzheimer Bevölkerung abgedeckt: junge Eltern und Alte.

 

Herzlichen Glückwunsch, Herr Ernst!